British Tea Dances

Tango! Tango! ... and Tea

Eine kleine Zeitreise zum Ursprung der Tea Dances in Britannien -- und was die Royals damit zu tun hatten.

Jürg Meier / 26.04.2026

Wie fast alles in der Europäischen Teekultur beginnt die Reise zu den Ursprüngen der Tea Dances hier: bei der Aristokratie.

Und dieses Mal genauer gesagt in Frankreich. Im Nobelkurort Biarritz an der Atlantikküste traf sich die europäische Aristrokratie wie auch das neu entstandene, vermögende Bürgertum. Und selbstverständlich verbrachte insbesondere die Damenwelt die Nachmittage "socialising", d.h. teuren Tee aus ebenso wertvollen Porzellantassen nippend in Hotels wie dem für Prinzessin Eugénie (Ehefrau von Napoleon III.) gebauten "Hôtel du Palais Biarritz".

Wir befinden uns in der zweiten Hälfte des 19. Jh. Schnell entdeckte man, dass Musik solche Tee-Nachmittage noch angenehmer machten, und von da war es wiederum nur ein kleiner Schritt zum "thé dansant". Dieser "Trend" war natürlich auch den Engländern nicht entgangen.

Popularisiert wurden Tea Dances vor und während der Regentschaft Edward VII (ca. 1895 - 1910).  "Tea Dances", aber auch "Supper Dances", wurden der grosse Hype und zentrales Element des britischen Soziallebens. Denn Royals und Aristokraten lebten durch immer grösser und vornehmer werdende Anlässe während der Teatime am Nachmittag diese "Social Events" vor. Im Laufe von Edwards Regentschaft demokratisierte sich dieses Vergnügen und übertrug sich auf die Mittelklasse mit Veranstaltungsorten übers ganze Land verteilt. 

Richtig verrückt ging es los – in den Medien damals als "Tango Craze" bezeichnet – mit dem Überschwappen des Tangos nach Europa und die Insel. Der Tango hatte sich langsam und fast unbemerkt im 18. und 19. Jh. in den Hafenvierteln von Buenos Aires und Montevideo entwickelt. Als ihn Europa entdeckt, wurde er zunächst als zu verrucht und ungebührlich speziell für junge Damen abgetan, doch dann brachen alle Dämme.

Die erste grosse Tango-Show fand 1912 in London statt, und das Fachblatt "Dancing Times" titelte: "Tango! Tango! Tango! Alle wollen Tango tanzen!" Und die Teatime bot sich dafür ganz besonders an, konnten doch auch die Damen relativ frei und ungebunden an den Nachmittagen dem Vergnügen fröhnen. 

Schon 1908 hatte das Waldorf Hotel in London eröffnet und in seinem Palm Court täglich Tea Dances mit Live Bands angeboten. Die Nachfrage war allerdings so hoch, dass die Tänzer einem teuren und streng limitierten Club beitreten mussten, um überhaupt Zugang zu erhalten. Eine Autorin namens Beatrice Crozier liefert dazu 1913 in ihrem Buch "The Tango and How To Dance It" viel Anschauungsmaterial: über den Palm Court selbst ("... niedrige Tee-Tischchen umsäumt von Gold-verzierten weissen Säulen... "), selbstverständlich Angaben zur Etikette ("... die Damen können ihre Handschuhe zum Tanz auch ausziehen ...") und eine Erklärung zu den Tango-Schritten, welche in "Einschritt" und "unerhört" unterteilt wurden.

Das "überlange" 19. Jh. kam mit dem 1. Weltkrieg zu einem jähen Ende und die Zeit war reif für die wilden Zwanziger. Idealerweise lieferten die Amerikaner mit dem Jazz die Grundlage dafür: Die Begeisterung für den Tango wurde durch den Charleston abgelöst. Der wilde Tanz begeisterte auch in den anderen grossen Städten Europas bis dunklere Zeiten anbrachen. 

Doch selbst während diesen behaupteten sich die Tea Dances, aus einem sehr praktischen Grund: die deutschen Luftangriffe fanden immer nachts statt, und mit den Tea Dances konnte man sich immerhin nachmittags ordentlich vergnügen. Und sie hoben die Moral sowohl der Truppe als auch der Zivilbevölkerung. 

Nach dem Krieg flachte das Interesse am Afternoon Tea und so an den Tea Dances ab. Europa war beschäftigt mit dem Wiederaufbau und die "Cocktail Hour" begann, die nachmittagliche soziale Funktion zu übernehmen. Erst 1982 begann das Waldorf wieder mit Tea Dances. Sie werden seither einige Male pro Jahr durchgeführt.

Und ja, wir vom Teesalon freuen uns, dieses elegante "British Habbit" auch wieder in die Schweiz zu bringen, mit unserer "Tea Dance Party"