Teesalon-Journal
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Neuigkeiten aus Paris (3)
Endlich: das erste Einzelhandelsgeschäft von Olivier Scala
Endlich: das erste Einzelhandelsgeschäft von Olivier Scala
Auch in diesem Bericht kann unsere Korrespondentin von zwei sehr interessanten Neueröffnungen in der französischen Metropole berichten.

Von Barbara Dufrène, Paris

10. Oct. 2009


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Auch diesmal wollen wir interessante neue Teegeschäfte und Teesalons vorstellen. Es scheint, dass der Wunsch nach Qualität und Besonderheit trotz der Belastung des Marktes durch die grosse Wirtschaftskrise weiterhin wächst.

Man hört immer wieder von den verschiedensten Kunden und Bekannten: “Ja, Teetrinken hat so viel Gutes in sich!“ Nicht nur für die Gesundheit des Körpers, auch die anregende Wirkung auf Psyche und Geist, die vielen interessanten kulturellen und historischen Details sind faszinierend. Und daher begeistern sich Viele dafür, diese Kenntnisse und ihre Geschmacks-Erfahrungen zu erweitern und zu vertiefen.

Das wird auch an den neuen Teegeschäften deutlich. Ihre Eigentümer sehen hier nicht nur eine Beschäftigung und Verdienstquelle, sondern sie sind oft durch eine persönliche Überzeugung und ein passioniertes Interesse für dieses unglaublich faszinierende Getränk getrieben.

Hier ist das nun ganz und gar der Fall:

1) Ein ganz neues Geschäft nahe der Basilika “Sacré Coeur„ auf dem Montmartre-Hügel

Es gehört Valerie Staporte, die über 15 Jahre lang als Journalistin tätig war, bis ihre Zeitschrift in andere Hände kam, und sie sich einen neuen Tätigkeitskreis suchen musste. Seit Jahren war sie von China und seiner Kultur fasziniert, hatte während der Studienzeit ein wenig Kalligraphie gelernt und gehofft, eines Tages auch das Land selbst kennen zu lernen. Nach gründlichem Überlegen fand sie, dass ihr „roter Faden“ sie zum Tee fûhrte. Eine von der Bank verlangte Machbarkeitsstudie, viele Gespräche mit künftigen „Teekollegen“ und eine profunde Analyse der diversen Pariser Viertel brachten sie dazu, das Geschäft dort aufzubauen, wo eine echte und grosse Nachfrage nach guten Tees zu erwarten war. Nach mehreren Monaten war die Entscheidung dann getroffen: mitten in Montmartre, an einer der steilen Strassen, welche zur berühmten Basilika hinaufführen, wurde ein nettes Geschäft frei. Valerie griff zu, um nach weiteren Monaten des Um- und Aufbaus das

„neo.T „, an der Nummer 89, rue des Martyrs, 75018 Paris

zu eröffnen.

Die speziell hellgrün und lila lackierten Teedosen kommen von einer traditionellen Familienfirma aus Lille, deren Dosen – les boîtes LAGACHE – schon seit über 100 Jahren solide Qualität bieten. In diesen werden mehr als 130 verschiedene lose Teesorten angeboten, davon viele aus China, denn der „rote Faden“ verpflichtet! Zudem hat Valerie Zugang zu sehr raren Tees, die ein in China lebender junger Franzose und Tee-Spezialist nur einigen wenigen Teepartnern verschafft.

Dass sie nun selbst jeden Tag viele Stunden im Geschäft steht, ist akzeptiert; denn der direkte Kontakt mit einer sehr bunten Kundschaft - sowohl aus dem Stadtviertel als auch Touristen aus den vielen umliegenden kleinen Hotels - erlaubt ihr, viel über ihre Teesorten zu erzählen. Und auch über ihre erste, wunderschöne Chinareise, welche sie zusammen mit einigen Einkäufern und unter der Leitung des erwähnten Teespezialisten unternommen hat. Die zweite Reise ist für Frühjahr 2010 geplant.

Neben Tee, den sie ab 50 g auswiegt, kann man bei Valerie auch eine Unmenge kleiner Geschenke finden. Viele kommen aus Japan und China, es gibt auch Teeschokolade und Matcha-Kuchen.

Wer hier eine Tasse trinken möchte, muss eine kleine Wendeltreppe hochsteigen, um es sich in einer gemütlichen Nische mit 3 kleinen Tischen bequem zu machen.

2) Und als zweite Pariser Neueröffnung darf ich nun das erste Detailverkaufgeschäft von Olivier Scala vorstellen,

dem vielen Teeliebhabern bekannten Besitzer der Import-Firma „Thés Georges Cannon“, die seit 4 Generationen (seit 1898!) Spezialitätentees einführt.

Seit Jahren hegte Olivier dieses Projekt in dem Wunsch, einen direkten Kontakt mit den Teeliebhabern aufzubauen. Auch er suchte lange nach einem passenden Ort, und ebenso wie Valerie entschied er sich für einen Ort fern von den traditionellen „Teegeschäfts-Clustern“, die sich in Paris seit Jahrzehnten um den Place de la Madeleine und dem Stadtviertel „le Marais„ herausgebildet hatten.

Er eröffnete sein Geschäft am Rande des Studenten-, Bohème- und Kultur-Viertels von „St.Germain de Prés“.

Nach vielen Monaten des Umbaus und der Neugestaltung öffnteten sich Ende April die Türen des eleganten Teesalons „Les Sens du Thé – Thés Georges Cannon“ an der Nummer 12, rue Notre Dame des Champs, 75006 Paris.

Diese kleine Verbindungsstrasse, die von der Rue de Rennes zum Bd. Raspail führt, ist voll mit jungen Leuten aus den umliegenden höheren Fachschulen, mit Kundinnen der vielen Modegeschäfte an der Rue de Rennes sowie Besuchern eines der grossen “arts et essais“ Kinos ein paar Häuser weiter in derselben Strasse.

Olivier führt über 250 Teesorten und hat auch ein Angebot an trockenen Kräutern und Früchten.

Um den jungen Leuten eine Einführung in die Teekultur zu erleichtern, bietet er jede Woche eine „Tasse Tee to go“ für 1,50 € an, die im Kontor getrunken werden kann.

Die Teekarte ist nach Herkunft und Besonderheit angelegt. Feine Grüntees werden im Kühlschrank aufbewahrt, um ihre Qualität intakt zu behalten.

Der Salon hat einige Tische und führt zu einem hellen Innenhof mit vielen Blumentöpfen, was eine sehr harmonische Atmosphäre bringt. Und auch hier wird im alltäglichen, kleinsten Rahmen echte Teekultur gelebt, denn jeder Kunde bekommt sein Teekännchen serviert zusammen mit einem kleinen Untersatz, auf welchem sich die infusierten Blätter befinden. Dies führt immer wieder zu Verwunderung, Fragen und neuem Interesse!

Noch sind nicht alle Umgestaltungen beendet, ein Kellerraum soll in der nächsten Zeit für Vorträge, kleine Zeremonien und Tee-Kulturevents hergerichtet werden.

Zu alledem hat sich Olivier die Mitarbeit einer ganz grossen Teekennerin gesichert: Katrin Rougeventre.

Diese Sinologin, Absolventin des berühmten Pariser „Institut des Langues et Cultures Orientales“, hat vor vielen Jahren die Teeschule des Palais des Thés aufgebaut und dann lange Zeit das Teehaus “La Maison de la Chine„ geleitet. Und wie kam es dazu?? Als Katrin ihre Diplomarbeit zu schreiben hatte, wählte sie das Thema „Tee und Teekultur“, und hatte dabei die Möglichkeit, diese Thematik während eines 3-jährigen Studienaufenthalts in Beijing eingehendst zu erforschen und auszuschöpfen. Ihre Fotokollektion ist einmalig, und sie erzählt gerne, dass es schon damals fast nicht möglich war, wirklich in eine Teemanufaktur zu schauen; alles war „geheim“, und nur als „Sprachstudentin“ gelang es ihr, immer wieder echte Einblicke zu gewinnen.

Diese Diplomarbeit hat sie auf chinesich geschrieben; eines Tages, so hoffen wir, ihre Freunde, wird sich die Möglichkeit finden, den Text zu übersetzen und dem interessierten Publikum zugänglich zu machen.


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